Eine Kooperation von Queerpraxis, Kampnagel Hamburg und Theater Lüneburg.

Gefördert im Fonds Doppelpass der Kulturstiftung des Bundes.

 

„Queere Kreuzzüge“ ist ein zweijähriges Kooperationsprojekt mit den Häusern Kampnagel in Hamburg und dem Theater Lüneburg, deren grundverschiedene Theaterstrukturen den ersten Anlass bieten, hybride Modelle zu denken.

Für Josep Caballero García und sein Team von Queerpraxis ist Queerness eine künstlerische, choreografische Praxis, um sowohl binäre Geschlechterordnungen, als auch Wissens- und Identitätsnormierungen zu überschreiben. Seine Arbeiten sind ein klares Plädoyer für die Erfahrung von Uneindeutigkeit und entstehen aus dem Wunsch heraus, öffentliche Räume für queere Praktiken zu schaffen.

 

„Queere Kreuzzüge“ wird strukturell wie künstlerisch im engen Dialog mit den Kooperationspartnern Kampnagel Hamburg und dem Theater Lüneburg entwickelt werden und sowohl neue Publikumsschichten als auch öffentliche Orte der Auseinandersetzung erschließen. In den beiden Spielzeiten 2018/19 und 2019/20 entstehen - neben einem zweijährigen Workshop- und Vermittlungsprogramm - zwei tourfähige Produktionen: Die erste - MELANCHOLÍA - auf Kampnagel, die zweite - Who's Afraid of Raimunda - in Lüneburg, in Zusammenarbeit mit den Lüneburger Symphonikern.

 

Auf Grundlage der barocken Oper „Giuglio Cesare“ von Georg Friedrich Händel nimmt das Gruppenstück MELANCHOLÍA Stellung zum binär romantischen Beziehungskonzept unserer abendländischen Gesellschaft und Kultur. Ausgangspunkt für Choreographie, Raum, Musik und Licht ist die Auseinandersetzung mit dem barocken Operngenre und seinem Narrativ, das mit dem autobiografischen Material der Performer*innen und einer zeitgenössischen, musikalischen Interpretation erweitert wird.

 

Mit WHO'S AFRAID OF RAIMUNDA verlässt das Team in der Spielzeit 2019/20 den Theaterraum und begibt sich, samt den Lüneburger Symphonikern, in das Libeskind Foyer der Leuphana Universität Lüneburg. Wir schreiben das Jahr 1492. Granada, die letzte Stadt des Al-Andalus in der iberischen Halbinsel wird von den Christen wieder erobert.

Die Juden werden ausgewiesen und Amerika wird entdeckt. Zuvor hatten über mehrere Jahrhunderte hinweg drei unterschiedliche Kulturen zusammen hier gelebt; Al-Andalus, Juden und Christen, die zusammen ein außergewöhnliches kulturelles Hybrid bildeten und sowohl ihre Kulturen als auch ihre sexuellen Praktiken miteinander verhandelten. Das Gruppenstück Who's Afraid of Raimunda ist eine poetische Allegorie für das kulturelle und sexuelle Anderssein, in der Textquellen aus dem mittelalterlichen Iberia mit autobiografischem Material erweitert werden. Durch die Verschränkung von Quellentexten und autobiografischem Material, sowie mittelalterlicher, iberischer Musik mit zeitgenössischer Komposition zielt WHO'S AFRAID OF RAIMUNDA auf eine vergleichende Lektüre über die Geschichte queerer Körper.

 

„Ich werde oft gefragt, woher mein Interesse kommt, Gender und Queer zum Leitthema aller meine Stücke zu machen. Meine Gegenfrage gilt dem Publikum: was sind ihre Beweggründe, sich mit queeren Themen zu beschäftigen?“

 

Im Rahmen der Kooperation entwickelt Josep Caballero García Vermittlungsformate, um neue Publikumsschichten zu erschließen und um „Queer“ nicht nur als Thema zu postulieren, sondern als dialogische Praxis zu teilen. In der Spielzeit 2018/19 werden sich die Vermittlungsangebote für Hamburg und Lüneburg auf die entstehende Produktion MELANCHOLÍA beziehen. Anhand von kulturhistorischen Reflexionen, von Rekonstruktionen, von körperlicher Praxis möchten Josep Caballero García mit seinem Team Platz für andere Wissensgenerierungen schaffen, rationales und irrationales Wissen sammeln und den Austausch mit den Workshopbesucher*innen in die künstlerische Arbeit zurückfließen lassen. Liebeskonzepte ist ein Thema, das sowohl Jugendliche als auch Erwachsene anspricht und zu dem jede*r etwas beitragen kann. Demnach richten sich die Workshops an beide Zielgruppen, zumal ein intergenerationeller Austausch zu diesem Thema sehr bereichernd sein kann.

Die Vermittlungsformate für die darauffolgende Spielzeit werden ebenfalls im Kontext der bis dahin entstehenden zweiten Uraufführung konzipiert werden. Vor allem werden sie auf die Erfahrungen der ersten Workshops aufbauen und im Sinne der Lüneburger und Hamburger Publika einem Thema nachgehen, welches Körperkonzepte erneut hinterfragt.